43 % Licht, 9 % Strom – ist das schon das Wohnzimmerfenster der Zukunft?
Was Freiburg wirklich gezeigt hat – bevor jemand „Revolution“ ruft
Ende August 2026 haben die Labore in Freiburg etwas gezeigt, auf das ich seit Jahren in Form von Zahlen warte, nicht als Plakat: ein halbtransparentes, organisches Photovoltaikmodul, hergestellt mit Verfahren, die auf eine Fertigungslinie gehören. Mittlere Transmission im sichtbaren Licht: 43,2 %. Wirkungsgrad: 9,26 %. Das ist keine zellgroße Briefmarke, auf den Tisch geklebt. Das ist ein Modul 14,5 × 14,5 cm mit über hundert laserverbundenen Zellen.
Und gleich klar: Das ist noch keine Scheibe, die ich euch in den Konfigurator stellen kann. Es gibt kein Paket 1,23 × 1,48 m, keine Uw-Deklaration, kein IGU-Zertifikat. Der Abstand zwischen Labor und Bestellung ist der Kern dieser Geschichte. Wer ihn verwischt, verkauft das Jahr 2032 in einer Preisliste von 2026.
In unserem Shop verkaufe und konfiguriere ich seit Jahren Fenster, die zuerst in die Öffnung passen, Wärme halten, das Wohnzimmer im Sommer nicht zum Backofen machen und sich mit vorhersehbarer Abdichtung montieren lassen. Deshalb lese ich Freiburg als praktische Frage: Was folgt daraus für Bestellung, Aufmaß, Rollladen, Schatten, Verkabelung und Garantie. Meine Antwort ist kurz. Diese Module sind wichtig, weil sie sich endlich industriell fertigen lassen. Sie sind noch kein Ersatz für die Scheibe in eurer Bestellung. Bei 43 % Licht und rund 93 W/m² ist das Sonnenschutzglas mit Strombonus – und nur dann, wenn Schatten, Kabel und Rollläden von Anfang an mitgeplant werden.
Was im August 2026 wirklich veröffentlicht wurde
Ich nehme das nicht aus einer Pressemitteilung eines Fensterherstellers. Die Quelle ist die Arbeit der Universität Freiburg und des Fraunhofer ISE in „Joule“ vom Anfang August 2026: „Toward scalable semitransparent organic photovoltaics: Slot-die-coated 210-cm² modules with visible transmission of up to 50% and LUE up to 4%“. Die Mitteilung des Instituts trägt das Datum 24. August 2026. Autoren unter anderem Leonie Pap und das Team von Dr. Uli Würfel, Leiter der Abteilung Organische und Perowskit-Photovoltaik am Fraunhofer ISE. Partner des Projekts „Transparent PV“ („Durchblick-PV“): Heraeus Epurio, ROWO Coating, ASCA und die Universität Freiburg.
In der organischen Photovoltaik sehe ich seit Jahren dasselbe Muster: Eine kleine Laborzelle sieht hervorragend aus, und nach der Flächenvergrößerung fällt der Wirkungsgrad, und das Verfahren geht nicht in die Fabrik. Würfel sagt es klar: Die Skalierung ist eine der Hauptbarrieren. Der Durchbruch besteht nicht im Slogan „die Scheibe erzeugt Strom“. Er besteht darin, dass die Zellschichten per Slot-Die praktisch ohne Wirkungsgradverlust aufgebracht und die Rückelektrode gesputtert wurden. Beide Verfahren kennt die Industrie, und sie lassen sich skalieren. Deshalb setze ich mich mit diesen Zahlen überhaupt an den Bestelltisch und lege sie nicht in die Schublade mit Kuriositäten.
Ich stelle die harten Daten an einem Ort zusammen, ohne Rundung „nach Augenmaß“:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Technologie | organische PV (OPV), halbtransparent |
| Modulmaß | 14,5 × 14,5 cm |
| Fläche (Apertur) | 210,25 cm² |
| Mittlere Transmission im sichtbaren Licht (AVT) | 43,2 % |
| Wirkungsgrad | bis 9,26 % |
| LUE (Wirkungsgrad × Licht) | bis 4,0 % |
| Zellen im Modul | über 100, Laserverschaltung |
| Prozess | Sputtern + Slot-Die-Beschichtung |
| Flexible Variante | 100 % Wirkungsgrad nach 1274 Biegungen über einen Stab Ø 15 mm |
| Nächstes Ziel des Teams | Transparenz deutlich über 50 % ohne Wirkungsgradverlust |
LUE, light utilization efficiency, ist kein Marketingkürzel. Bei halbtransparenter Photovoltaik gebe ich immer Licht oder Strom ab: Je mehr Photonen ich ins Wohnzimmer lasse, desto weniger bleiben für die Zelle. LUE multipliziert Wirkungsgrad mit Transmission und erlaubt mir den Vergleich von Lösungen, die in einem Parameter gut aussehen und im anderen schwach sind. 9,26 % bei 43,2 % Licht ergeben eine LUE von etwa 4,0 %. Das ist die obere Liga organischer OPV im Modulmaßstab, nicht im Zellmaßstab.
Technisch: Auf Glas wurde eine nahinfrarotreflektierende Rückelektrode gesputtert, danach ein organischer Absorber und eine metallfreie PEDOT:PSS-Deckelektrode (neue Formulierung von Heraeus Epurio) per Slot-Die. Im Projekt entstanden auch flexible Module auf Folie von ROWO Coating. Dr. Mathias List nannte eine Zahl, die ich nicht dehnen will: Nach 1274 Biegezyklen über einen Stab Ø 15 mm behielten sie 100 % des Wirkungsgrads. Das ist Folienfestigkeit. Das ist nicht die Lebensdauer einer Fassadenscheibe über 30 Jahre. Diese beiden Dinge vermische ich nicht.
43 % Licht – wie das neben dem Fenster aussieht, das ich verkaufe
Bei mir kauft niemand „AVT“. Gekauft wird das Gefühl, ob es im Wohnzimmer hell ist oder ob man mittags die Lampe anmachen muss. Der Vergleich muss also aus dem Labor auf die Scheibe aus der Bestellung.
Eine einfache Floatscheibe ohne Beschichtung lässt etwa 80–90 % des sichtbaren Lichts durch. Ein modernes Dreifachpaket mit Low-E, das heute in Bestellungen für Wärme und Förderung geht, fällt meist auf etwa 65–75 %. Sonnenschutzglas für Süd- und Westfassaden liegt oft bei 40–70 %, je nach Beschichtung und Aufbau. Das Freiburger Modul mit AVT 43,2 % landet für mich visuell beim getönten Sonnenschutzglas, nicht beim klaren Wohnfenster.
Das ist eine Entscheidung über den Raum, nicht über Ästhetik. Im Schlafzimmer nach Süden kann ich 43 % Licht als Vorteil werten: weniger Aufheizung und Blendung. In der Küche nach Norden ist dieselbe Zahl ein Nachteil: zu dunkel. Das ersetzt mir kein Dreifachpaket mit einer Transmission um 70 %. Wer „Scheibe der Zukunft statt Isolierverglasung“ schreibt, verkauft etwas anderes als das, was das Labor verlassen hat.
Fraunhofer zieht diese Grenze, und ich ziehe sie ebenso. Module über 50 % Licht sieht das Team als Kandidaten für Fassaden und Gewächshäuser. Bei 43 % kann die niedrigere Transmission dort ein Vorteil sein, wo ich sowieso getöntes Glas will: Fassadenelemente, Verglasungen, die den solaren Gewinn kappen. Ein Gartenfenster, durch das der Rasen in natürlichen Farben sichtbar sein soll, ist bei mir ein anderes Produkt.
Wie viel Strom pro Quadratmeter – und wie viel aus dem Wohnzimmerfenster
9,26 % Wirkungsgrad unter STC (1000 W/m², 25 °C) bedeuten etwa 93 W pro Quadratmeter mittags, im Labor, bei senkrechtem Einfall. Damit diese Zahl nicht in der Luft hängt, lege ich sie neben Dinge, die ihr vom Dach und von Fassaden kennt.
- Silizium-Dachmodul 20–22 % → 200–220 W/m²,
- kommerzielles semitransparentes BIPV 5–12 % → 50–120 W/m²,
- Fraunhofer-OPV-Modul 9,26 % → ca. 93 W/m²,
- volltransparente Laborlösungen 1–5 % → 10–50 W/m².
Freiburg sitzt für mich nahe der oberen Liga dessen, was es heute im semitransparenten BIPV überhaupt gibt. Es sitzt nicht neben Silizium auf dem Dach. Der Faktor zwei gegenüber dem Dachmodul ist kein Detail. Dazu kommt die Geometrie: Das Fenster steht senkrecht, das Dach kann ich nahe dem Optimum neigen.
Ich nehme ein konkretes Maß, das in Bestellungen wiederkehrt: Südfenster 1,5 × 1,3 m, etwa 1,95 m² Glas. Theoretischer STC-Peak: 1,95 × 93 ≈ 180 W. Das ist kein Haus off-grid. Das sind ungefähr zwanzig LED-Lampen à 9 W – und das nur, wenn die Sonne günstig steht, die Scheibe sauber ist, Rollladen, Balkon, Nachbar und Sturz nicht verschatten und die Zelltemperatur nicht weit vom Labor abweicht. Senkrecht, an einer echten Fassade, wird dieser Peak niedriger.
Den Jahresertrag rechne ich vorsichtiger. Orientierungswerte für Deutschland:
- Dach, optimale Neigung: ca. 950–1200 kWh/kWp,
- senkrechte Südfassade: meist 50–70 % des Dachertrags,
- semitransparentes BIPV bei 20–40 % VLT: 100–170 kWh/m²/Jahr,
- durchlässigeres Glas bei 40–70 % VLT: 70–130 kWh/m²/Jahr.
Bei 43 % Licht ist ein realistisches Ziel an der Südfassade etwa 70–110 kWh/m²/Jahr. Osten und Westen: weniger. Norden: fast nichts. Ein Fenster 1,95 m² gäbe grob 140–215 kWh im Jahr – wenn es wirklich nach Süden schaut, nicht im Schatten steht und niemand den Rollladen ein halbes Jahr geschlossen lässt. Ein Haushalt in Deutschland verbraucht oft 2500–4000 kWh im Jahr. Ein solches Flügel ist ein paar Prozent der Bilanz, nicht ihr Fundament. Das kleide ich nicht in „kostenlosen Strom aus dem Fenster“.
Geld 2026: Das ist kein Baumarkt-Fensterpreis
Selbst wenn morgen jemand dieses Modul in einen PVC-Rahmen steckte, würde ich euch kein „Fenster“ verkaufen. Ich würde ein BIPV-Fassadenelement verkaufen. Die Spannen, mit denen der Markt 2026 arbeitet, liegen in einer anderen Größenordnung als die Fensterkonstruktion im Konfigurator:
- gewöhnliches Low-E-Glas / Fenstersystem: rund 150–250 €/m² nur für das Paket; Rahmen und Montage extra,
- semitransparente Dünnschicht: ca. 200–400 €/m²,
- BIPV-Glas / semitransparent: 400–800 €/m²,
- montierte BIPV-Fassade: 500–800 €/m², Designvarianten sogar 1000+ €/m²,
- Dach-PV zum Vergleich: 150–250 €/m² oder 1200–1800 €/kWp.
Ein Fenster 1,5 × 1,3 m mit solchem Glas geht schnell in mehrere Tausend Euro pro Flügel, plus Verkabelung, Wechselrichter, Blitzschutz, Anmeldung und einen Elektriker mit Befähigung. Der Vergleich mit dem Preis eines Dreifachfensters ist falsch: Das sind zwei verschiedene Produkte. Das Dachkilowatt gewinnt weiterhin in der Rechnung. Sinn für BIPV sehe ich dort, wo sowieso Glas sein soll und das Dach belegt oder nicht erreichbar ist.
Die Lebensdauer ist der zweite harte Einwand, und den verstecke ich nicht. Silizium auf dem Dach verliert meist ca. 0,5 % pro Jahr und hat 25–30 Jahre lineare Garantie. Organische PV im rauen Klima wird mitunter mit 2–4 % Verlust pro Jahr angegeben. Ein Fenster soll 30–40 Jahre stehen. Organische Folie und Randverbund haben diese Geschichte noch nicht. Solange es kein zertifiziertes IGU mit Alterungstests gibt, verkaufe ich euch keine „Scheibe für eine Generation“.
Meine Vision der Zukunft
Ich beobachte diese Forschung und diese Prototypen seit Jahren. Ich sage es offen: Vor fünf, sieben Jahren sah das wirklich noch sehr zaghaft aus. Eher wie eine futuristische Vision, ein Konzept, als eine Technologie, die man in Masse fertigen kann. Was im August 2026 aus Freiburg kam, sieht zum ersten Mal nach einem Schritt zur Fertigungslinie aus, nicht nur nach einem weiteren Plakat.
Damit sich so eine Technologie durchsetzt, muss sie zwei Bedingungen erfüllen. Sie muss ein Problem lösen. Und sie muss sich finanziell lohnen. Ohne das bleibt sie eine Laborkuriosität.
Ich sehe dafür viele Anwendungen. Vor allem – wie alle – die klassische Stromerzeugung. Vielleicht irgendwann auch den Ersatz der Photovoltaik auf Dächern, dort wo das Dach belegt, zu klein oder gar nicht vorhanden ist. In meinem Kopf gibt es aber ein paar Ideen, die noch ein paar zusätzliche Probleme lösen könnten, nicht nur das offensichtliche mit Strom in die Steckdose.
Das erste ist die Energieeffizienz von Gebäuden. Die meisten Gebäude, die bei uns gebaut werden, vermeiden bewusst viele Fenster und große Verglasungen, weil Wärme darüber entweicht. Stell dir vor, du nutzt die Energie, die auf der gesamten Scheibenfläche entsteht, um diese Verluste wenigstens zum Teil auszugleichen. Ich behaupte nicht, dass ein Quadratmeter Glas mit 93 W im Peak ein Haus heizt. Ich behaupte etwas Bescheideneres: Wenn große Verglasung sowieso dort stehen soll und mittags rund 100 W pro Quadratmeter abgeben kann, beginnt das Gespräch über eine Bilanz, nicht nur über einen Verlust. Das könnte die Form von Gebäuden verändern. Den Bau von Wintergärten, die mit dem Wohnteil verbunden sind. Das Denken über Gewächshäuser: Wärme und Licht im Winter, an einem Ort, der sowieso aus Glas ist.
Ein häufiges Problem, dem ich begegne, ist auch der Antrieb für Außenrollläden. Ich habe viele Kunden, die einen Antrieb per Fernbedienung hätten. Das ist sehr bequem, besonders für ältere Menschen. Leider gibt es in älteren Gebäuden meist keine Möglichkeit, die Versorgung heranzuführen. Der Neubau löst das, indem er die Elektroinstallation mit Fenstern und Rollläden plant. Der Altbau nicht. Stell dir ein Paket vor: Fensterscheibe plus Außenrollladen. Die Scheibe lädt langsam einen Akku für den Rollladen. Das speist kein Haus. Bei geöffnetem Behang und Südlicht kann es aber für ein paar Nutzungen am Tag reichen. Ein geschlossener Rollladen sammelt keinen Strom – das ist offensichtlich. Der Sinn ist ein anderer: so viel sammeln, dass man abends den Panzer herunterlassen kann, ohne die Wand für ein Kabel aufzustemmen.
Was das bei Bestellung, Montage und Aufmaß ändert
Hier gehe ich von der Pressemitteilung auf die Baustelle. Wenn solches Glas irgendwann in meinen Konfigurator kommt, bleiben die bisherigen Aufmaßregeln gültig – und werden gleichzeitig unzureichend.
Erstens ist das nicht mehr nur Fensterbau. Es kommt die elektrische Seite hinzu: String-Spannung, Anschlussdose im Rahmen oder in der Laibung, Kabel in der Dämmung, Erdung, Blitzschutz, Anmeldung. Monteur und Elektriker müssen auf einer Zeichnung arbeiten. Eine Dose „irgendwie hinter dem Rahmen“ bedeutet später Stemmen der Laibung. Das repariere ich nicht mit Scharnierjustierung.
Zweitens bleibt das Aufmaß der Öffnung, aber es kommen neue Maße dazu. Neben Breite, Höhe und Diagonalen werde ich notieren:
- Laibungstiefe für die Kabelführung,
- Platz für Dose und Stecker – oft zusätzliche 20–40 mm im Rahmen oder in der Laibung,
- Schatten von Sturz, Rollladen, Balkon, Nachbargebäude und Baum,
- Ausrichtung: S / O / W / N – ohne das mache ich kein PV-Angebot.
Wer nur das Lichtmaß der Öffnung misst und es als Fenstermaß einträgt, macht den alten Fehler. Wer die Öffnung richtig misst und Azimut und Schatten weglässt, macht einen neuen – sichtbar nicht am Montagetag, sondern auf der Stromrechnung.
Drittens frisst der Außenrollladen den Ertrag, wenn jemand Strom fürs Haus erwartet. Geschlossener Rollladen heißt fast null Strom. Führungen und Kasten beschatten die Oberkante auch bei hochgezogenem Panzer. Deshalb verkaufe ich dieses Set nicht als „Kraftwerk und Kühlung zugleich“. Einen anderen Sinn hat das Paket, von dem ich oben schreibe: Die Scheibe lädt den Antriebsakku. Dann geht es nicht um Kilowattstunden in die Steckdose, sondern um ein paar Rollladenzyklen, ohne die Wand für die Versorgung aufzustemmen.
Viertens ändert 43 % Licht meine Raumwahl. Schlafzimmer nach Süden – ja, als Sonnenschutz. Küche nach Norden – nein. Arbeitszimmer, in dem es auf Farbwiedergabe ankommt – vorsichtig, weil die Transmission organischer Schichten wellenlängenabhängig ist. Das ersetzt mir kein Paket mit LT um 70 %.
Fünftens ist der U-Wert vorerst unbekannt, und so behandle ich ihn. Dreifachpaket: Ug oft 0,5–0,7 W/(m²·K), Uw des ganzen Fensters 0,8–1,0. BAFA beim Austausch: meist Uw ≤ 0,95. GEG im Bestand: Uw ≤ 1,3. Die OPV-Schicht verändert das Paket. Solange es kein zertifiziertes IGU gibt, verspreche ich keine Förderung.
Sechstens Gewicht und Dicke. Das Dreifachpaket ist schon schwerer als alte Zweifachverglasung. Ein PV-Laminat (Glas–Folie–Glas) addiert Millimeter und Kilogramm. Das ändert Beschläge, Flügeltragfähigkeit und ob das Fenster überhaupt hebt. Bei großen Verglasungen – dem einzigen Ort, an dem der Ertrag Maßstab hat – bagatellisiere ich das Gewicht nicht.
Siebtens teilt sich die Garantie, und ich teile sie im Vertrag. Fensterhersteller ≠ Hersteller des PV-Glases ≠ Elektriker. Eine Reklamation wegen Leistungsabfall oder Delamination ist keine Reklamation der Rahmengeometrie. Das schreibe ich, bevor der erste Satz kommt: „Warum hatte ich im November 8 kWh statt 40?“
Das Dach schlägt die Senkrechte weiterhin
Selbst bei Transparenz über 50 % ersetzt das kein Dach. Ein Quadratmeter senkrechtes, getöntes Glas in Deutschland liefert grob einen Bruchteil dessen, was ein Quadratmeter Modul auf dem Dach liefert. Sinn sehe ich dort, wo sowieso Glas ist: Fassade, Wintergärten, große Südverglasungen. Nicht dort, wo jemand „kostenlosen Strom aus jedem Fenster im Wohnblock“ will.
Die physikalische Decke für ein Fenster, das das gesamte sichtbare Licht durchlassen und nur UV und Infrarot sammeln soll, liegt modellhaft bei etwa 20–21 %. Die Kommerzialisierung sitzt heute eher bei 5–12 % mit deutlicher Tönung. Freiburg ist nahe der oberen OPV-Liga, aber weiterhin halbtransparent. Das Ziel „über 50 % Licht ohne Wirkungsgradverlust“, von dem Würfel spricht, bringt das Labor näher an die Schwelle, an der ich überhaupt über den Ersatz einer Fensterscheibe spreche. Es setzt uns diese Schwelle nicht automatisch in meine Preisliste.
Fragen, die ich schon höre oder bald hören werde
Kann ich solches Glas statt eines Dreifachpakets bestellen?
Nicht im Jahr 2026 als Ersatz aus dem Konfigurator. Das ist ein Labormodul 14,5 × 14,5 cm, kein zertifiziertes IGU. Das Fehlen der Ug/Uw-Deklaration, der Alterungshistorie im Rahmen und des elektrischen Pfads im Standardfenster überspringe ich nicht mit Enthusiasmus.
Reichen 180 W aus einem Fenster 1,5 × 1,3 m für eine Wohnung?
Nein. Das ist ein Laborpeak bei 1000 W/m², kein Jahresmittel. Der reale Ertrag eines solchen Flügels nach Süden liegt eher bei 140–215 kWh/Jahr unter günstigen Annahmen. Das ist Unterstützung, keine Autarkie.
Lässt sich ein Außenrollladen mit PV-Glas kombinieren?
Ja – aber in zwei verschiedenen Bedeutungen. Wer Strom fürs Haus erwartet, dem drückt der geschlossene Rollladen den Ertrag fast auf null. Soll die Scheibe nur den Antriebsakku laden, sind ein paar Zyklen am Tag ein realistisches Ziel, besonders dort, wo im Altbau keine Versorgung herangeführt werden kann.
Bekommt so ein Fenster BAFA-Förderung?
Solange es kein zertifiziertes Paket mit Uw ≤ 0,95 W/(m²·K) für das ganze Fenster gibt, nein. Das GEG verlangt beim Austausch Uw ≤ 1,3, aber auch das muss für das fertige Produkt nachgewiesen werden, nicht für eine Laborfolie. Eine Förderschwelle schreibe ich nicht auf Basis der August-Mitteilung ins Angebot.
Ändert sich das Aufmaß der Öffnung?
Die Geometrie bleibt: mehrere Punkte, Millimeter, Diagonalen, Lot und Waage, Montagefreiraum. Hinzu kommen Ausrichtung, Schatten und Platz für Kabel und Dose. Ein Maß nur „Putz zu Putz“ wird noch unzureichender als heute. Ohne Azimut rechne ich kein PV-Angebot.
Wo ich nach August 2026 stehe
Die Scheiben aus Freiburg sind ein echter Schritt, kein Plakat: industrielle Beschichtung, 43,2 % Licht, 9,26 % Wirkungsgrad, LUE bis 4 %, über hundert Zellen im Modul 210 cm². Sie sind auch ehrlich klein. Das ist noch keine Scheibe aus der Bestellung. Bei rund 93 W/m² und einer Tönung wie Sonnenschutzglas ist das ein Produkt für Orte, an denen Glas sowieso Sonne kappen soll, nicht für jede Öffnung im Haus.
Zuerst muss das Fenster ein Fenster sein – aufgemessen, mit Freiraum, mit ehrlichem Uw und geplantem Rollladen. Strom darf nur dort Bonus sein, wo Schatten, Ausrichtung und Elektrik gezeichnet sind, bevor jemand auf „bestellen“ klickt. Das Dach schlägt die Senkrechte weiterhin. Das Labor in Freiburg hat uns näher an den Moment gebracht, in dem man darüber überhaupt am Konfigurator sprechen sollte. Es hat diesen Moment nicht auf heute verschoben.
Bevor solche Scheibe ins Angebot kommt, bleibt, was schon heute über die Bestellung entscheidet: Aufmaß der Öffnung, bewusster Freiraum und Paketwahl nach Himmelsrichtung. Strom in der Scheibe ergänze ich, wenn es aufhört, eine August-Mitteilung zu sein, und ein Zertifikat wird.
